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UZH 3R Award 2025

Anästhesietechniken an Tiermodellen aus Silikon üben

Im Skills Lab des Universitären Tierspitals üben Veterinärmedizin-Studierende klinische Tätigkeiten wie das korrekte Betäuben von Hunden und Katzen – und nutzen dazu Silikon-Modelle. Für ihr praxisnahes Training erhielt Fabiola Jörger den UZH 3R Award 2025. Der zweite Preis geht an Markus Seeger und Johannes vom Berg für die Entwicklung der «Flycodes»-Technologie.
Kurt Bodenmüller
Im Anästhesie-Tutorat im Skills Lab üben Studierende der Veterinärmedizin das korrekte Betäuben von Hunden und Katzen – mit Modellen aus Silikon. (Bild: Michelle Aimée Oesch)

Fabiola Jörger arbeitet als Oberärztin auf der Abteilung für Anästhesiologie des Universitären Tierspitals der UZH. Trotz der intensiven Arbeit in der Klinik koordiniert sie zusätzlich das Skills Lab: Dort können Studierende der Veterinärmedizin an mehreren Stationen ihre praktischen Fähigkeiten an Tiermodellen üben, damit sie bestmöglich vorbereitet in die klinischen Semester starten können. Ursprünglich war das Skills Lab in einem Keller eingerichtet, seit zwei Jahren steht ein schöner, zentral gelegener Raum zur Verfügung. «Mit noch ziemlich Potenzial, um zu wachsen», wie Jörger betont.

«Trockentraining» im Skills Lab

Während der ersten vier Jahre ist die Ausbildung angehender Tiermediziner:innen nur theoretisch. Erst im fünften Studienjahr geht’s in die Klinik – und somit «ans Tier». Zur Vorbereitung können die Studierenden im Skills Lab bereits grundlegende Tätigkeiten üben, etwa einen Hund oder eine Katze zu intubieren. Und zwar realitätsnah an anatomisch korrekten Modellen aus Kunststoff. Die Vorteile dieses «Trockentrainings» liegen auf der Hand: Die Teilnehmenden gehen besser vorbereitet in die Klinik. Sie sind geübter und fühlen sich sicherer. Es passieren später weniger Fehler, was direkten Einfluss auf das Wohl und die Sicherheit der tierischen Patienten hat.

Fabiola Jörger

Die Theorie gleich mit praktischen Übungen zu kombinieren, ist viel sinnvoller.

Fabiola Jörger
Anästhesiologie-Oberärztin am Tierspital und Leiterin des Skills Lab

Für ihr Anästhesie-Tutorat, das Fabiola Jörger seit einigen Jahren leitet, erhielt sie den diesjährigen UZH 3R Award. Mit dieser Auszeichnung belohnt die Universität Zürich Anstrengungen und Erfolge von UZH-Angehörigen, die sich dafür einsetzen, Versuche mit Tieren zu ersetzen («replace»), zu reduzieren («reduce») oder zu verbessern («refine»). Die Preisverleihung findet am 3. Februar 2026 anlässlich des UZH-Events «Sparkling Research» statt, das vom Prorektorat Forschung organisiert wird. Geehrt mit dem zweiten Award werden dann auch Markus Seeger und Johannes vom Berg für die Entwicklung der «Flycodes»-Technologie, die es ermöglicht, die Anzahl Tiere für Medikamentenforschung und -entwicklung stark zu reduzieren (siehe Kasten).

Zweiter UZH 3R Award 2025 für «Flycodes»-Technologie

Die UZH-Professoren Markus Seeger vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Johannes vom Berg vom Institut für Labortierkunde erhielten den zweiten diesjährigen UZH 3R Award für die Entwicklung einer neuen Technologie – «Flycodes» genannt. Damit können rund 25 Antikörper gleichzeitig in einer einzigen Maus getestet werden. Bislang werden Antikörperkandidaten einzeln in Versuchstieren analysiert. Die Flycodes-Technologie beschleunigt die Forschungs- und Entwicklungspipeline neuer Medikamente und verringert die Anzahl der dafür benötigten Tiere enorm. Im Prinzip lässt sich mit der neuen Methode die Anzahl der benötigten Tiere um das bis zu 100-fache reduzieren.

«Effiziente Medikamentenentwicklung mit weniger Mäusen», Medienmitteilung vom 18.03.2025

Verbesserung und Ersatz

Neben dem «Refinement» leisten die Tutorials einen Beitrag zum «Replacement». Auch wenn es für Jörger nicht möglich ist, konkrete Zahlen zu nennen: Die Tiermodelle aus gegossenem Silikon helfen, Tiere im Veterinärmedizinstudium zu ersetzen. Denn nicht nur der Einsatz von Labormäusen in der Forschung gilt in der Schweiz als bewilligungspflichtiger Tierversuch, sondern auch die Verwendung lebender Tiere in der Aus- und Weiterbildung.

Die Modelle aus Silikon helfen, Tiere im Veterinärmedizinstudium zu ersetzen: An einem Pferdemodell lernen die Studierenden, eine Nasenschlund-Sonde oder eine intramuskuläre Injektion zu setzen. (Bild: Michelle Aimée Oesch)

Im Skills Lab gibt es diverse weitere Stationen, an denen mit anderen Tiermodellen trainiert werden kann: An einer Hündin aus Silikon wird etwa das Setzen eines Harnkatheters geübt. An einem Pferdemodell lernen die Teilnehmenden, eine Nasenschlund-Sonde oder eine intramuskuläre Injektion zu setzen. Ein künstliches Hundeohr ist ebenfalls vorhanden. Auch ganz alltägliche Tätigkeiten – wie man sich vor einem chirurgischen Eingriff einkleidet oder Wunden näht – können die Studierenden üben.

Praxis direkt ins Studium eingebaut

Unbestritten ist, dass die Modelle zwar anatomisch korrekt sind, sich aber nicht ganz echt anfühlen und nicht exakt so aussehen wie ein lebendes Tier. Um Situationen möglichst realitätsnah zu simulieren, verwendet Jörger auch Monitore, auf denen sie zeigt, was man während des Anästhesierens sieht. Und sie kann live verschiedene Parameter wie Herz- oder Atemfrequenz verändern und heikle Situationen simulieren. Die Studierenden müssen dann entscheiden, was nun zu tun ist.

«Als ich mit dem Anästhesie-Tutorat angefangen habe, geschah dies auf freiwilliger Basis der Studierenden. Wir hatten nur 24 Plätze, so dass die Kurse sehr rasch ausgebucht waren», erzählt Jörger. Für dieses Jahr hat die Oberärztin eine neue Strategie gewählt: Das Anästhesie-Tutorial wurde anstelle von zwei Vorlesungen direkt ins Studium eingebaut. Anstatt im Hörsaal zu erfahren, wie für eine Narkose die Luftröhre intubiert wird, üben die Studierenden Ablauf und Handgriffe direkt am Tiermodell. «Die Theorie gleich mit praktischen Übungen zu kombinieren, ist viel sinnvoller», so Jörger.

Um Situationen möglichst realitätsnah zu simulieren, wird im Skills Lab auf Monitoren gezeigt, was man während des Anästhesierens eines Tieres sieht. (Bild: Michelle Aimée Oesch)

Teilnehmerzahl mehr als verdoppelt

«2025 haben insgesamt 71 Studierende an den Tutorials teilgenommen», freut sich Jörger. Im Moment sind erst zwei von drei Stationen im Skills Lab ins Vorlesungsprogramm eingebaut. Ziel ist, auch die dritte Station zu ergänzen. Längerfristig möchte Fabiola Jörger das Angebot weiter ausbauen. Dafür ist sie auf die Mithilfe von anderen Tutor:innen, die sie zuvor ausbildet, angewiesen. Die Rekrutierung ist allerdings recht schwierig, da die Studierenden im vierten Jahr sehr viele Vorlesungen haben.

Dass sich ihr Einsatz und der ihrer Tutor:innen lohnt, zeigen die überwiegend positiven Rückmeldungen der Teilnehmenden im Herbstsemester 2025: Mehr als 94 Prozent werteten den Nutzen der Lehrveranstaltung als hoch oder sehr hoch. 68 Prozent beurteilten den Kompetenzerwerb als hoch oder sehr hoch ein. 63 Prozent schätzten den Schwierigkeitsgrad als genau richtig ein und 58 Prozent zeigten sich mit dem Arbeitsaufwand zufrieden. Insgesamt wurde die Veranstaltung als aktivierend und lernzielorientiert empfunden.

Statements von Studierenden, die am Anästhesie-Turorat im Skills Lab von Fabiola Jörger teilgenommen haben. (Video: Ginger Hobi-Ragaz und Reinhold Briegel, MELS, UZH)