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Kyoto-Symposium

Gemeinsam globale Herausforderungen angehen

Künstliche Intelligenz, Zellforschung und Pflanzenwissenschaften: An einem Symposium in der vergangenen Woche zeigte sich das vielfältige Potenzial der Strategischen Partnerschaft zwischen der UZH und der Kyoto University.
Theo von Däniken
  • Mit Weitblick: Der japanische Botschafter Toshiro Iijima, der Präsident der Kyoto University Nagahiro Minato (rechts) und UZH-Rektor Michael Schaepman (im Hintergrund) auf dem Uniturm. (Bilder: André Hengst & Aline Gerber)
    Mit Weitblick: Der japanische Botschafter Toshiro Iijima, der Präsident der Kyoto University Nagahiro Minato (rechts) und UZH-Rektor Michael Schaepman (im Hintergrund) auf dem Uniturm. (Bilder: André Hengst & Aline Gerber)
  • Nagahiro Minato, Präsident der Kyoto University, und Rektor Michael Schaepman
    Nagahiro Minato, Präsident der Kyoto University, und Rektor Michael Schaepman
  • Angeregte Gespräche bereits am Willkommens-Empfang
    Angeregte Gespräche bereits am Willkommens-Empfang
  • Kentaro Shimizu
    Kentaro Shimizu
  • Abraham Bernstein
    Abraham Bernstein
  • Reger Austausch und Interesse bei den Early Career Researcher Pitches
    Reger Austausch und Interesse bei den Early Career Researcher Pitches
  • Präsident Nagahiro Minato im Gespräch mit Prorektor Christian Schwarzenegger
    Präsident Nagahiro Minato im Gespräch mit Prorektor Christian Schwarzenegger

Bereits zum vierten Mal trafen sich Ende der vergangenen Woche Forschende der Universität Zürich und der Universität Kyoto zu einem Austausch in verschiedensten Disziplinen. Die seit längerem bestehende Zusammenarbeit der beiden Universitäten wurde 2020 in einer strategischen Partnerschaft formalisiert.

Seither sind zahlreiche Kooperationen in unterschiedlichsten Disziplinen entstanden. Das Symposium bot Gelegenheit, bestehende Projekte zu vertiefen und neue Felder für Zusammenarbeit auszuloten. «Die Partnerschaft baut auf gemeinsamen akademischen Werten auf, die wir teilen», hielt Rektor Michael Schaepman in seiner Eröffnungsadresse fest: «Exzellenz, Innovation und das beiderseitige Engagement, globale Herausforderungen anzugehen.»

«Improving Quality of Life» lautete die thematische Klammer des des Symposiums. Während drei Tagen tauschten sich Forschende beider Universitäten in den Bereichen der Regenerativen Medizin, der Umweltwissenschaften, und verschiedenen Aspekten der künstlichen Intelligenz aus.

Biodiversität und Nahrungsmittelsicherheit

«Interdisziplinäre Studien in Biologie, Agronomie und Informatik sind zentral für die Kooperation zwischen der UZH und der Universität Kyoto», sagt Kentaro Shimizu, der im Bereich der evolutionären Pflanzenbiologie forscht. Er hat selber an der Universität Kyoto studiert und ist nun Direktor und Professor am Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften an der UZH.

Shimizu arbeitet bereits mit zwei Forschungsgruppen an der Universität Kyoto zusammen. Gemeinsam mit seinem japanischen Kollegen Hiroshi Kudoh war er am Symposium an einem Workshop zur Zusammenarbeit in den Pflanzenwissenschaften beteiligt. «Pflanzenwissenschaften sind nicht nur für die Biodiversität, sondern auch für die Nahrungsmittelsicherheit von grosser Bedeutung», sagt Shimizu. «Beides ist wesentlich für eine gesunde Umwelt.»

In der Kooperation zwischen den beiden Universitäten kommen Expertisen in Molekularer Pflanzenbiologie, Biodiversität und Systembiologie zusammen. «Dadurch können wir vielschichtige Forschungsansätze vorantreiben und so ein vertiefteres Verständnis für die Funktionsweise der Pflanzen auf mehreren Ebenen erreichen», erklärt Shimizu die Vorteile der Partnerschaft.

Bessere Zusammenarbeit dank Blockchain

Neben dem theoretischen Ökologen Jordi Bascompte und dem Pflanzenphysiologen Cyril Zipfel, war von der UZH auch Informatik-Professor und Blockchain-Spezialist Claudio Tessone am Workshop beteiligt. Auch er hat bereits Erfahrung in der Zusammenarbeit mit der Universität Kyoto, wo er mit Yuichi Ikeda auf dem Gebiet der Blockchain-Technologie gemeinsam forscht.

Am Workshop in Zürich kamen die beiden nun erstmals mit Pflanzenbiologen zusammen. «Wir haben in unserer Session erkundet, wie die Blockchain-Technologie das Sammeln und Teilen von Daten in der Pflanzenwissenschaft verändern kann», erläutert Shimizu die auf den ersten Blick überraschende Kombination. Damit könnte die Blockhain zu einer transparenteren, besseren und zuverlässigeren Zusammenarbeit beitragen.

Als nächster Schritt in der Kollaboration sei nun der gegenseitige Austausch von Nachwuchsforschenden sowie eine Zusammenarbeit bei der Datenerhebung im Feld geplant, erklärt Shimizu. Ziel ist es, künftig einen gemeinsamen Doktoratsstudiengang anbieten zu können. «Das wäre ein guter Katalysator für ein längerfristig angestrebtes gemeinsames Forschungszentrum zu Biodiversität», so Shimizu.

Kultureller Hintergrund von KI

Für Informatikprofessor Abraham Bernstein war das Symposium eine Gelegenheit, neue mögliche Kooperationen mit Forschenden aus Kyoto auszuloten. Im Workshop zur Zusammenarbeit mit KI ging es darum, dass sich die Forschenden der beiden Universitäten gegenseitig kennen lernten und Themen identifizierten, bei denen sich eine Kooperation lohnen würde.

«Einer der Hauptbeiträge aus Kyoto ist der Einsatz von Technologien in politischen Diskussionen innerhalb der Bevölkerung auf der Gemeindeebene», erklärt Bernstein. Ein an der Universität Kyoto entwickeltes System sei dort in mehreren Gemeinden im Einsatz. Die Forschung an der UZH fokussiere hingegen eher auf die Funktionsweise von KI als Arbeitspartner – unter anderem in Prozessen der Entscheidungsfindung. Diese beiden Ansätze würden sich gut ergänzen, so Bernstein.

Konkrete nächste Schritte wurden am Workshop noch keine festgelegt. Vielmehr wurden Themengebiete für mögliche Kooperationen erarbeitet. Als besonders spannend erwies sich die Frage, welchen Einfluss die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe beim Einsatz von KI spielen. «Denn die KI spiegelt meistens, wenn auch nur implizit, kulturelle Einstellungen», erklärt Bernstein.

Hier kann Bernstein an ältere Forschung an seinem Lehrstuhl zur kulturellen Adaptation von Mensch-Maschine-Interaktion anknüpfen, in welcher KI-gestützt Benutzeroberflächen erzeugt wurden, die auf den kulturellen Hintergrund der Benutzer:innen angepasst war.

Internationale Zusammenarbeit wichtiger denn je

Die beiden Workshops deckten nur nur zwei von fünf Bereichen ab, in denen die beiden Universitäten vertiefter zusammenarbeiten wollen. Andere Themen betrafen KI und Religion, das Vertrauen in KI und die Zellforschung, insbesondere im Bereich der Regenerativen Medizin.

«In Zeiten, in denen globale Herausforderungen und politische Spannungen zunehmen, ist die internationale und interdisziplinäre Zusammenarbeit wichtiger denn je», betont Michael Schaepman. Das Symposium sei für die UZH ein Eckstein dieser Zusammenarbeit, die den Dialog unter den Fachbereichen und die gegenseitigen Verbindungen stärke.