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Nadija Research Foundation

Mit Forschung kriegstraumatisierte Kinder in der Ukraine unterstützen

Die «Nadija Research Foundation» will zusammen mit acht Universitäten ein Forschungszentrum in der Ukraine betreiben. Dieses soll die Folgeschäden des Krieges auf die mentale Gesundheit von Kindern untersuchen und bessere Therapien ermöglichen. Den Vorsitz der neuen Stiftung übernimmt UZH-Rektor Michael Schaepman.
Sechsjähriges Mädchen in den Trümmern eines Hauses
Fast die Hälfte aller Kinder in der Ukraine zeigt Anzeichen von psychischen Belastungen wie Angst, Depressionen, Traumafolgesymptomen oder anhaltendem Stress. (Bild: Gettyimages/Sergey Shubin)

Kriege werden auch auf dem Rücken der Kinder ausgetragen. Diese leiden nicht nur unter körperlichen Verletzungen, sie müssen auch psychische Narben verarbeiten. Denn psychische Traumafolgen können noch Jahre nach einem bewaffneten Konflikt nachwirken. Zahlen des Kinderhilfswerkes UNICEF zeigen, dass im Ukraine-Krieg bislang rund 5 Millionen Kinder ihr Zuhause verlassen und teilweise bis zu 5000 Stunden in unterirdischen Verstecken entlang der Frontlinien ausharren mussten. Fast die Hälfte aller Kinder zeigt Anzeichen von psychischen Belastungen wie Angst, Depressionen, Traumafolgesymptomen oder anhaltendem Stress – jedes dritte erlebte mit, wie jemand in seinem Umfeld verwundet oder erschossen wurde.

Acht Universitäten spannen in der Forschung zusammen

Die Nadija Foundation, die 2025 von fünf skandinavischen Ländern zusammen mit der Ukraine gegründet wurde, hat es sich zur Aufgabe gemacht, so früh wie möglich professionelle Hilfe zur Verfügung zu stellen, um die physischen und mentalen Langzeitfolgen von Kriegstraumata zu reduzieren.

Ein Pfeiler dieses Engagements wird neben bereits bestehenden Einrichtungen neu auch die Forschung sein: Dazu hat die Nadija Foundation gemeinsam mit den Universitäten Zürich, Kopenhagen, Linköping, Helsinki, Cambridge, New South Wales sowie der Danylo Halytsky Lviv National Medical University und der Ukrainian Catholic University eine eigenständige Stiftung gegründet, die «Nadija Research Foundation». Unter dem Vorsitz von Michael Schaepman, Rektor der Universität Zürich, finanziert sich die neue Stiftung ausschliesslich durch Spenden oder Donationen.  

Die Folgen von Krieg auf die Gesundheit erforschen

Ziel ist es, in der Ukraine ein neues Forschungs-Kompetenzzentrum mit den Schwerpunkten in den Bereichen Psychotraumatologie, Kinder- und Jugendpsychologie, mentale Gesundheit, Resilienzforschung sowie Epigenetik aufzubauen, in das alle Universitäten ihre Expertise und ihre evidenzbasierten Handlungsansätze einbringen. Von der Universität Zürich werden vor allem Fachpersonen vom Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer des Univeresitätsspitals Zürich, der medizinischen Fakultät und des Psychologischen Instituts involviert sein. Sie bringen ihre Expertise in den Bereichen Psychotraumatologie, Kinder- und Jugendpsychologie, globale psychische Gesundheit sowie Implementierungsforschung ein. Das Kompetenzzentrum mit Sitz im ukrainischen Lviv soll Studien zu den gesundheitlichen Folgen ermöglichen, daraus bessere Therapieformen ableiten und allgemein das Verständnis für die Auswirkungen von Konflikten auf Kinder und Familien über die Ukraine hinaus fördern.

«Wir engagieren uns für das Wohlergehen von Kindern in Krisenregionen, welche so dank neuster Forschungsmethoden möglichst ohne Belastungen heranwachsen können», sagt Stiftungspräsident Michael Schaepman. «Und wir unterstützen die Ukraine darin, trotz teilweise fehlender Fachleute und zerstörter Infrastruktur ihre eigenen wissenschaftlichen und klinischen  Kapazitäten nachhaltig auszubauen.»

Bereits zwei Forschungsprojekte in Arbeit

Die neue Nadija Research Foundation startet bereits mit zwei Projekten: Zum einen wird eine nationale Langzeitstudie (UNITY-Kohorte) durchgeführt, die über mehrere Jahre 3'000 Familien in unterschiedlich kriegsbelasteten Regionen verfolgt und deren mentale Gesundheit, Resilienz und Bewältigungsstrategien untersucht. Zum Zweiten wird eine bewährte Intervention der Weltgesundheitsorganisation WHO zur emotionalen Stärkung von Jugendlichen – die sogenannte Early Adolescent Skills for Emotions (EASE) – für den ukrainischen Kontext adaptiert und evaluiert. Unter anderem wird eine digitale Variante entwickelt, die den aktuellen Herausforderungen wie Online-Unterricht und Luftalarmen Rechnung trägt.

Ein virtuelles und ein physisches Spital

Neben dem geplanten Forschungs-Kompetenzzentrum verfügt die Nadija Foundation bereits über ein virtuelles Spital, das mit Hilfe von Telemedizin den ukrainischen Kindern und ihren Familien im ganzen Land einfach erreichbare psychologische Unterstützung bieten kann. Ausserdem arbeitet die Foundation eng mit dem Spital im ukrainischen Lviv zusammen, das sich auf kompliziertere Verletzungen, Rekonstruktionsmedizin und die Behandlung schwerer psychologischer Traumata spezialisiert hat.