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Internationalität in Studium und Lehre

«Die Welt mit anderen Augen sehen»

Internationale Erfahrungen tragen wesentlich zur persönlichen Entwicklung und zur Arbeitsmarktfähigkeit der Studierenden bei. Wie vielfältig internationale Lehrformate sind und wie sie von der UZH gefördert werden, erklären Gabriele Siegert, Stephan Neuhauss, Andreas Heinemann und Katja Durkin-Sommerhalder im Interview.
Autor: Interview: David Werner
«Internationalität soll in Lehre und Studium selbstverständlich werden.» Von links nach rechts: Leiterin Global Affairs Katja Durkin-Sommerhalder, Prorektorin Gabriele Siegert, Prodekan MNF Stephan Neuhauss und Prodekan RWF Andreas Heinemann. (Bild: Sophie Stieger)

Gibt es eine internationale Erfahrung, die Sie in Ihrer Laufbahn persönlich besonders geprägt hat?

Stephan Neuhauss: Ich habe lange in den USA studiert und geforscht. Diese Zeit hat mich stark geprägt – als Mensch, als Forschender und als Dozent. Ich erlebte dort eine Hochschulkultur, die sich deutlich von dem unterschied, was ich kannte: informeller, direkter, offener. Das empfand ich als sehr befreiend. Ohne diese Erfahrung würde ich heute anders unterrichten und meine Forschungsgruppe anders führen.

Andreas Heinemann: Besonders prägend waren für mich die zwei Semester, die ich als Student in Genf verbrachte. Ich kam aus Deutschland, und das Eintauchen in die französische Sprache sowie die weltoffene Atmosphäre haben mich beflügelt. Ich sah die Welt plötzlich mit anderen Augen und entdeckte dabei auch mich selbst neu. Davon erzähle ich Studierenden gerne, um sie zu ermutigen, ähnliche Erfahrungen zu machen.

Gabriele Siegert: In meinem Studium war internationale Mobilität gar kein Thema. Das bedauere ich sehr, denn als Wissenschaftlerin habe ich den Austausch mit internationalen Kolleg:innen immer sehr geschätzt und auch jetzt als Pro- und Vizerektorin ist dieser Austausch unglaublich gewinnbringend. Für die Studierenden ist es auch interessant zu sehen, welchen Weg ihre Dozierenden gegangen sind und wie sie dorthin gekommen sind, wo sie heute stehen.

Katja Durkin-Sommerhalder:
Sehr geprägt haben mich meine zehn Jahre in Grossbritannien. Während des Studiums verbrachte ich ein Jahr in England, später lebte und arbeitete ich dort weitere neun Jahre in einem internationalen Umfeld. Ich habe Menschen aus vielen Ländern und eine ergebnisorientierte Arbeitsweise kennengelernt. Davon profitiere ich bis heute – fachlich ebenso wie persönlich.

Die Herausforderungen machen nicht an nationalen Grenzen halt

Warum ist Internationalität in Studium und Lehre heute unverzichtbar?

Gabriele Siegert: Erstens trägt ein internationales Studium wesentlich zur persönlichen Entwicklung und zur Arbeitsmarktfähigkeit bei. Es stärkt Kompetenzen wie Analysefähigkeit, Anpassungsfähigkeit, Orientierungsvermögen sowie die Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven zu integrieren und kulturelle Unterschiede zu überbrücken. Diese sogenannten transversalen Kompetenzen sind heute in vielen Berufsfeldern gefragt.
Zweitens stehen wir vor globalen Herausforderungen – etwa im Bereich Klima, Gesundheit, Migration oder Digitalisierung –, die sich nicht innerhalb nationaler Grenzen lösen lassen. Umso wichtiger ist es, dass Studierende lernen, Fragestellungen in einem grösseren Zusammenhang zu verstehen und einzuordnen – so wie wir das auch in der Forschung tun.

«Ein internationales Studium trägt wesentlich zur persönlichen Entwicklung und zur Arbeitsmarktfähigkeit bei», sagt Gabriele Siegert, Vize-Rektorin sowie Prorektorin Lehre und Studium der UZH. (Bild: Sophie Stieger)

Stephan Neuhauss: Die Themen, mit denen wir uns an der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät befassen – etwa Klima oder Biodiversität –, betreffen die ganze Welt. Das zeigt sich auch in unserem Lehrangebot, das beispielsweise Feldkurse und Forschungspraktika rund um den Globus umfasst. Unsere Studierenden werden später mit grosser Wahrscheinlichkeit in einem internationalen Umfeld arbeiten – unabhängig davon, ob sie in der Forschung bleiben oder in ein anderes Berufsfeld wechseln. Darauf bereiten wir sie gut vor.

Andreas Heinemann: Für Jurist:innen sind interkulturelle Kompetenzen selbst dann wichtig, wenn sie später im Inland tätig sind. Die Schweiz ist ein Mehrsprachenland und zugleich global stark verflochten. Entsprechend gefragt sind Brückenbauerinnen und Brückenbauer. Im zweisprachigen Joint Degree Masterstudiengang in Rechtswissenschaften, den die UZH gemeinsam mit der Universität Lausanne anbietet, lernen die Studierenden zwei Sprach- und Rechtskulturen gleichzeitig kennen. Darüber hinaus gibt es an unserer Fakultät viele Möglichkeiten, sich in europäisches und internationales Recht zu vertiefen.

Die Möglichkeiten werden immer vielfältiger

Viele denken bei internationalem Studium zuerst an ein Austauschsemester. Ist das der einzige Weg, um international zu studieren?

Gabriele Siegert: Die Global Strategy der UZH formuliert das Ziel, dass alle Studierenden im Verlauf ihres Studiums die Möglichkeit zu einer prägenden internationalen Erfahrung erhalten und diese auch wahrnehmen. Ein Austauschsemester ist dafür ein besonders bewährter Weg. Die UZH bietet mit ihrem dichten Netz an Partneruniversitäten weltweit sowie organisatorischer und finanzieller Unterstützung sehr gute Voraussetzungen dafür.
Allerdings ist ein Auslandsaufenthalt nicht für alle Studierenden gleich gut machbar. Finanzielle Umstände, persönliche Verpflichtungen oder die Struktur einzelner Studiengänge können Hürden darstellen. International studieren kann man auf ganz unterschiedliche Weise – nicht in einem Austauschsemester.

Welche Möglichkeiten bietet die UZH ausserdem?

Gabriele Siegert:
Die Möglichkeiten werden immer vielfältiger. Sie reichen von internationalen Studienprogrammen wie dem Una Europa Joint Bachelor of Arts in European Studies (BAES)  bis hin zu flexiblen Kurz- und Intensivformaten wie Summer- und Winterschools, Forschungspraktika oder Micro-Credentials, die sich unkompliziert ins Studium integrieren lassen.
Zunehmend werden Kurse auch gemeinsam von der UZH und einer Partnerhochschule angeboten. Viele davon orientieren sich dabei am Konzept des Cooperative Online International Learning, kurz COIL. Manche dieser Formate umfassen zusätzlich auch kurze physische Mobilitätsphasen wie zum Beispiel Exkursionen oder Workshops an einer Partneruniversität.
Internationalität zeigt sich aber nicht nur in Formaten, sondern auch in den Inhalten und im gemeinsamen Lernen: wenn globale Themen behandelt, internationale Perspektiven einbezogen, Gastdozierende aus dem Ausland eingeladen oder Studierende aus verschiedenen Ländern zusammengebracht werden.

Katja Durkin-Sommerhalder: Die wachsende Vielfalt internationaler Lehrangebote an der UZH ist für die Studierenden ein grosser Gewinn, weil sie unterschiedlichen individuellen Bedürfnissen Rechnung trägt. Je grösser die Vielfalt, desto besser lassen sich internationale Erfahrungen ins Studium integrieren – analog oder digital, vor Ort oder mit längeren oder kürzeren Abstechern ins Ausland.

Internationale Lehrangebote werden besser sichtbar

Wie können Studierende bei der Planung ihres Studiums erkennen, welche Lehrangebote international ausgerichtet sind?

Gabriele Siegert: Internationale Lehrformate sind im Vorlesungsverzeichnis  neuerdings speziell gekennzeichnet. Unter der Rubrik «Veranstaltungsmerkmale» sind sie leicht auffindbar. Das erleichtert es sowohl Incoming-Studierenden als auch UZH-Studierenden, passende internationale Lehrangebote in ihr Studium einzuplanen.

«Wir ermutigen Studierende nicht nur dazu, ins Ausland zu gehen, sondern holen das Ausland auch nach Zürich», sagt Andreas Heinemann, Professor für Handels-, Wirtschafts- und Europarecht und Prodekan Aussenbeziehungen der Rechtswissenschaftlichen Fakultät. (Bild: Sophie Stieger)

Welche Formen internationaler Lehre haben sich an Ihren Fakultäten besonders bewährt?

Andreas Heinemann: An der Rechtswissenschaftlichen Fakultät sind Double-Degree-Programme auf Masterstufe die beliebteste Form des Mobilitätsstudiums. Wir bieten 13 solcher Programme mit Partneruniversitäten auf allen Kontinenten an. Sie sind besonders geeignet, um fachliche und interkulturelle Kompetenzen zu vertiefen.
Wir ermutigen Studierende aber nicht nur dazu, ins Ausland zu gehen, sondern holen das Ausland auch nach Zürich. So laden wir etwa Gastprofessorinnen und Gastprofessoren für zwei bis drei Wochen an unsere Fakultät ein. Sie bringen Themen ein, die unsere Expertise vor Ort gezielt ergänzen. Im Mai haben wir zudem erstmals ein Blended Intensive Programme (BIP) zum Thema Klimarecht durchgeführt: Auf eine dreiwöchige Online-Vorbereitungsphase folgte eine Präsenzwoche an der Universität Timișoara in Rumänien. Das war eine hervorragende Möglichkeit, Studierende aus sehr unterschiedlichen Ländern niederschwellig zusammenzubringen.

Stephan Neuhauss: Das Studium an der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät ist stark strukturiert. Das erschwert Auslandsaufenthalte in der frühen und mittleren Studienphase. Umso bessere Voraussetzungen bietet die späte Studienphase im Umfeld der Masterarbeit. Viele Studierende reisen an Forschungsstationen, um dort Experimente für ihre Masterarbeit durchzuführen. Dabei arbeiten sie mit Forschenden und Studierenden aus aller Welt zusammen.
Ein Beispiel ist ein Projekt in Kolumbien, bei dem Geografie-Studierende Gletscher in den Anden untersuchen und gemeinsam mit lokalen Partnern einen Policy Brief für Behörden erarbeiten. Hier verbindet sich vieles: Internationalität, Forschung, transdisziplinäre Zusammenarbeit und gesellschaftliche Wirkung.

Viele Ideen entstehen aus Forschungskontakten

Blicken wir nun auf die Dozierenden: Wie entstehen internationale Lehrformate eigentlich?

Stephan Neuhauss: Sie entstehen oft aus Forschungskontakten. Man arbeitet gemeinsam an einem internationalen Projekt und überlegt sich, wie sich das Thema für die Lehre fruchtbar machen lässt.

Andreas Heinemann:  Grenzüberschreitende Lehrprojekte aufzugleisen, ist allerdings deutlich aufwändiger als ein Forschungsprojekt. Es gilt, regulatorische Grundlagen wie Rahmenverordnung und Studienordnung zu beachten, Inhalte und Qualität ins Curriculum einzupassen sowie Fragen der Anrechnung und Anerkennung zu klären. Das sind oft langwierige Prozesse.

Wie unterstützt die UZH ihre Dozierenden und Studienprogrammverantwortlichen bei der Entwicklung internationaler Lehrformate?

Gabriele Siegert:
Die UZH unterstützt Dozierende und Studienprogrammverantwortliche bei der Entwicklung internationaler Lehrformate mit Beratung, Community-Building und finanziellen Fördermitteln. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Förderlinie global_innovation der Universitären Lehrförderung. Unser Ziel ist es, internationale Lehrveranstaltungen nicht nur einmalig zu ermöglichen, sondern sie – wenn sie sich bewähren – dauerhaft im Studienangebot zu verankern. Im Fokus der Förderung stehen deshalb Formate, die sich verstetigen und wiederholen lassen.

Una Europa hat einen Entwicklungsschub ausgelöst

Wie wichtig sind internationale Hochschulnetzwerke bei der Weiterentwicklung der Lehre?

Katja Durkin-Sommerhalder: Hochschulnetzwerke ermöglichen es, langfristige internationale Beziehungen aufzubauen, die thematisch breit abgestützt und personell vielfältig sind. Die UZH ist an drei Netzwerken beteiligt, die sich mit ihren unterschiedlichen Profilen gut ergänzen. Die LERU, ein starkes europäisches Netzwerk führender Forschungsuniversitäten, dient in erster Linie dem Austausch auf Governance- und Policy-Ebene. U21 ist global ausgerichtet und ermöglicht der UZH, mit weltweit führenden Universitäten eng zusammen zu arbeiten. Die Allianz Una Europa wiederum ist auf die gemeinsame Weiterentwicklung eines internationalen Lehrangebots im europäischen Kontext fokussiert.

«Hochschulnetzwerke ermöglichen es, langfristige internationale Beziehungen aufzubauen», sagt Katja Durkin-Sommerhalder, Leiterin Global Affairs der UZH. (Bild: Sophie Stieger)

Gabriele Siegert: Una Europa fördert nicht nur die Mobilität der Studierenden, sondern ist auch eine Testplattform, auf der neue Ideen gemeinsam erprobt und weiterentwickelt werden können. Die Zusammenarbeit mit den Partneruniversitäten hat an der UZH einen starken Entwicklungsschub ausgelöst. Entstanden sind neben gemeinsamen Studienprogrammen auf Bachelor- und Doktoratsstufe auch kleinere, flexible Formate wie der MOOC AI in Society oder das Online-Format Una Europa Virtual Exchange for Sustainability (UNAVex). Zukunftsweisend ist auch der Modulaustausch, der es Studierenden ermöglicht, Lehrmodule anderer Universitäten der Allianz in ihr Studium zu integrieren.

Katja Durkin-Sommerhalder: Europa bietet im internationalen Vergleich besonders gute Voraussetzungen für die Weiterentwicklung internationaler Lehre – dank vergleichbarer Studiensysteme, koordinierter Förderinstrumente und einer hohen akademischen Freiheit. Im europäischen Hochschulraum, und besonders im Netzwerk Una Europa, lassen sich Modelle entwickeln und erproben, die später auch auf globaler Ebene genutzt werden können.

Gabriele Siegert: Und genau das ist unser nächstes Ziel. Vieles von dem, was wir im Rahmen von Una Europa gelernt haben, könnte auch für das global ausgerichtete Netzwerk U21 interessant sein, das im Bereich Lehre bislang noch weniger aktiv ist. Im November 2026 findet in Monterrey, Mexiko, das U21 Global Education and Senior Leaders’ Meeting statt. Dort werde ich gemeinsam mit einem Kollegen aus Helsinki darüber sprechen, wie sich studentisches Engagement in der Lehre gezielt fördern lässt. Das ist eine konkrete Möglichkeit, Erfahrungen aus Una Europa in einen globalen Kontext zu übertragen.

Internationale Studienangebote zu realisieren erfordert nicht nur Kreativität und Beziehungspflege, sondern ist auch organisatorisch aufwändig. Helfen dabei Hochschulnetzwerke und bilaterale Partnerschaften?

Katja Durkin-Sommerhalder: Gemeinsame internationale Lehrangebote zu entwickeln und realisieren ist anspruchsvoll. Hochschulnetzwerke erleichtern da vieles, und auch unsere sechs bilateralen strategischen Partnerschaften sind nützlich, weil man sich gegenseitig gut kennt. Zwei davon pflegen wir mit Universitäten ausserhalb Europas – mit Kyoto und dem U21-Mitglied Queensland. Diese Partnerschaften waren zunächst vor allem auf gemeinsame Forschung ausgerichtet, kommen inzwischen aber zunehmend auch der Lehre zugute.

Andreas Heinemann: Wenn auf Universitätsebene ein übergeordneter Wille zur Zusammenarbeit besteht, erleichtert das die Umsetzung konkreter Projekte. Ein gutes Beispiel ist der Double Degree in Rechtswissenschaften mit der University of Queensland. Dieses gemeinsame Studienprogramm war administrativ ein ausserordentlich anspruchsvolles Vorhaben, weil sich das australische Studiensystem stark vom schweizerischen unterscheidet. Die strategische Partnerschaft zwischen den beiden Universitäten hat uns dabei den nötigen Rückenwind gegeben.

Gabriele Siegert: Der Aufwand lohnt sich, weil auf diese Weise Blaupausen für weitere ähnliche Projekte entstehen. Was man einmal erarbeitet und gelernt hat, lässt sich später nach einem ähnlichen Muster erneut anwenden. Dass die University of Queensland und die UZH heute beide dem Hochschulnetzwerk U21 angehören, hilft zusätzlich dabei, solche Einzelinitiativen strukturell zu verankern. In Hochschulnetzwerken lassen sich bewährte Formate weiterentwickeln und auf andere Kontexte übertragen.

Internationalität auch abseits von Lehrveranstaltungen

Können Studierende an der UZH auch ausserhalb von Lehrveranstaltungen internationale Erfahrungen machen?

Katja Durkin-Sommerhalder: Ja, unbedingt. In der Global Strategy der UZH ist Internationalization at Home ein eigenes Thema. Es geht darum, wie international wir uns als Universität verstehen: Welche Informationen sind in welchen Sprachen zugänglich? Wie offen begegnen wir internationalen Studierenden und Mitarbeitenden? Wie gut gelingt uns ihre Integration? Unser Ziel ist es, das Campusleben und auch die Verwaltung noch offener und internationaler zu gestalten und die UZH zu einem Ort  zu machen, an dem globale Perspektiven zusammenkommen. Aus meiner Sicht hat sich hier bereits viel bewegt in den letzten 10 Jahren: Der Anteil internationaler Dozierender ist gestiegen, und auf dem Campus hört man viele Sprachen.

«Incoming-Studierende tragen viel zur internationalen Atmosphäre und zur Attraktivität der UZH bei», sagt Stephan Neuhauss, Professor für Neurobiologie und Prodekan der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät. (Bild: Sophie Stieger)

Stephan Neuhauss: Incoming-Studierende tragen viel zur internationalen Atmosphäre und zur Attraktivität der UZH bei. Englisch spielt dabei als gemeinsame Wissenschaftssprache eine wichtige Rolle: Es erleichtert den Austausch und die Integration im Studienalltag ebenso wie im persönlichen Miteinander. So wird Internationalität auf dem Campus ganz selbstverständlich auch ausserhalb von Lehrveranstaltungen erlebbar.

Gabriele Siegert: Gleichzeitig ist Deutsch als Fremdsprache im Sprachenzentrum besonders gefragt. Viele internationale Studierende und Dozierende möchten Deutsch lernen, um sich im Alltag besser verständigen und sich stärker integrieren zu können.

Wo soll die UZH in fünf bis zehn Jahren in Bezug auf Internationalität in Lehre und Studium stehen?

Gabriele Siegert: Mein Wunsch ist, dass Internationalität selbstverständlich mitgedacht wird – nicht als Zusatz, sondern als integraler Bestandteil von Studium und Lehre an der UZH. Wenn das gelingt, braucht es dannzumal vielleicht kein Interview mehr zur Internationalisierung.

Internationale Lehrformate

Zu den konkreten Möglichkeiten zur Förderung internationaler Erfahrungen im Studium gehören insbesondere:

  • Physische Mobilitätsprogramme wie Austauschsemester und Forschungsaufenthalte im Rahmen bilateraler Abkommen, von Erasmus+, dem Swiss-European Mobility Programme (SEMP) oder Una Europa: Sie ermöglichen es Studierenden, internationale Hochschul- und Forschungskulturen kennenzulernen und ihre interkulturellen Kompetenzen zu stärken.
  • Virtuelle und hybride Austauschformate: Onlineformate wie das Cooperative Online International Learning (COIL) eröffnen Studierenden interkulturelle Erfahrungen und Perspektivwechsel im digitalen oder hybriden Raum. Manche COIL-basierten Lehrveranstaltungen beinhalten zudem eine kurze Präsenzphase an einer Partnerhochschule. Auch Lehrveranstaltungen vor Ort können internationale Erfahrungen vermitteln, etwa durch die digitale Zuschaltung von Expertinnen und Experten aus dem Ausland oder durch die Arbeit mit Fallbeispielen aus anderen kulturellen Kontexten.
  • Joint- und Double-Degree-Programme: Programme wie der Una Europa Joint Bachelor of Arts in European Studies (BAES) ermöglichen ein strukturiertes internationales Studium mit einem gemeinsam verliehenen Abschluss mehrerer Universitäten.

Unterstützung für Studierende

Die Abteilung Global Student Experience berät und unterstützt Studierende umfassend bei der Organisation eines Mobilitätsstudiums – von der Wahl der passenden Partneruniversität über die Studienplanung bis hin zur Anerkennung von im Ausland erbrachten Leistungen. Ausserdem bietet sie Informationsveranstaltungen, Erfahrungsberichte oder Trainingsformate.
Finanzielle Unterstützung bietet das Swiss-European Mobility Programme (SEMP) sowie universitätseigene Stipendien.

Unterstützung für Dozierende

Die UZH fördert engagierte Dozierende im Aufbau neuer Lehrformate zur Förderung interkultureller Erfahrungen bei den Studierenden. Dazu stehen den Dozierenden je nach Lehrveranstaltungsformat unterschiedliche Fördermittel zur Verfügung:

  • Universitäre Lehrförderung «global_innovation» (ULF):  Die Förderlinie global_innovation der Universitären Lehrförderung unterstützt die Umsetzung von Projekten, die Studierenden Internationalisierungserfahrungen auf Modulebene ermöglichen. Die nächste Ausschreibung der Förderlinie global_innovation ist vom 15. Juni bis 15. September 2026 geöffnet.
    Entsprechende Kooperationen auf Studienprogrammebene werden durch die Förderlinie «program_innovation» ermöglicht. Je nach Lehrveranstaltungsformat können auch die Fördermittel der ULF-«open_innovation»-Linie beantragt werden.
  • Global Funding Scheme: Das UZH Global Funding Scheme unterstützt Fakultäten, Institute und zentrale Dienste bei der Entwicklung und Umsetzung gemeinsamer Initiativen mit internationalen Partnern.
  • BIP-Förderung durch SEMP: Interkulturelle Erfahrungen werden in Lehrkooperationen zwischen SEMP-Programmländern unterstützt. Seit Herbstsemester 2025 können BIP-Fördermittel für sog. Blended Intensive Programs zwischen SEMP-Programmländer mit Fördergelder der ULF «global_innovation» kombiniert werden. BIP-Fördergelder können über die Abteilung Global Student Experience beantragt werden.
  • Weiterbildung: Die UZH bietet didactica-Kurse zum Thema Internationalisierung in der Lehre an, nützliche Anregungen und Hilfsmittel finden sich auf der Plattform Teaching Tools.
  • Erfahrungsaustausch unter Peers: Die UZH fördert den Erfahrungsaustausch unter Dozierenden. Zum Beispiel wird der Tag der Lehre (Mittwoch, 28. Oktober 2026) dem Thema Internationalität in der Lehre gewidmet sein.