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World Biodiversity Forum 2026

«Biodiversität ist die Grundlage für Wirtschaft und Wohlstand»

Der Verlust der biologischen Vielfalt zählt zu den grössten Herausforderungen unserer Zeit. Am vierten World Biodiversity Forum in Davos trifft sich die internationale Biodiversitätswissenschaft mit Teilnehmenden aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur, um gemeinsam Wege zum Schutz der Biodiversität zu erarbeiten.
Autor: Kurt Bodenmüller, Medienbeauftragter
Biodiversität im Miniformat: Drei Alpen-Widderchen, eine Falterart, zusammen mit vielen verschiedenen Pflanzenarten auf kleinstem Raum. (Bild: Gabriela Schaepman-Strub, UZH)

Am 15. Juni 2026 startet das vierte World Biodiversity Forum, kurz: WBF2026. Organisiert von der Universität Zürich (UZH) treffen sich in Davos mehr als 1'100 Teilnehmende aus über 70 Ländern. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie der Verlust der biologischen Vielfalt bis 2030 gestoppt und umgekehrt werden kann – so wie es das Globale Rahmenwerk für die biologische Vielfalt der Vereinten Nationen von Kunming-Montreal vorsieht.

Das diesjährige Motto «Leading Transformation Together» unterstreicht die Bedeutung des Austauschs und der Zusammenarbeit zwischen Biodiversitätswissenschaft, Politik und Wirtschaft sowie Gesellschaft und Kultur. «Wir decken jedes denkbare Thema rund um die Biodiversität ab», sagt UZH-Erdsystemwissenschaftlerin Gabriela Schaepman-Strub, die zusammen mit ihrem Team für die Organisation des Forums verantwortlich zeichnet. «Dazu zählen medizinische und ökologische, ökonomische, ethische und rechtliche Themen. Aber auch die Umsetzung der globalen Ziele und translationale Methoden sowie Interaktionen mit Künstler:innen.»

Translationale Zusammenarbeit

Soeben wurde der Entwurf des ersten Global Reports veröffentlicht. Er wird im Oktober an der nächsten Biodiversitätskonferenz der Vereinten Nationen in Yerevan, Armenien, das zentrale Thema sein. Für den Report lieferten insgesamt 130 Länder einen nationalen Bericht ab – darunter auch die Schweiz. «Das globale Rahmenwerk hat zwar weltweit zu einem beispiellosen Engagement geführt, den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2030 zu stoppen und umzukehren. Doch weder die Welt noch die Schweiz sind dazu aktuell auf gutem Weg oder im Zeitplan», mahnt Schaepman-Strub.

Was es gemäss der Wissenschaftlerin nun braucht, sind nachhaltige Zukunftsvisionen und wirksame Massnahmen. «Dazu müssen wir disziplin- und sektorübergreifend zusammenarbeiten. Gleichzeitig braucht es mehr Engagement an der Schnittstelle von Wissenschaft, Politik und Wirtschaft», so Schaepman-Strub. Grosse Hoffnungen stecken für sie in der Kooperation mit der Wirtschaft und dem Finanzmarkt. Denn immer mehr Unternehmen sind mit Herausforderungen ihrer Abhängigkeit von der Natur konfrontiert.

Wachsendes Bewusstsein

Ein grosser Teil des bisherigen Wirtschaftswachstums basierte bislang auf Leistungen der Natur, die lange Zeit als selbstverständlich und kostenlos betrachtet wurden. Zu diesen sogenannten Ökosystemleistungen zählen saubere Luft, frisches Wasser, fruchtbare Böden, Nahrungsmittel, Baustoffe, der Schutz vor Krankheiten sowie die Regulierung des Klimas. Daneben gibt es auch weniger offensichtliche Beiträge der Natur, etwa der Erholungswert für die Menschen.

Artenvielfalt in den Schweizer Bergen: Die hellblau-violette Blüte einer Alpen-Akelei auf einer Bergwiese im Wallis. (Bild: Gabriela Schaepman-Strub, UZH)

«Auch wenn die aktuelle Weltlage mit bewaffneten Konflikten die Bestrebungen zum Schutz der Biodiversität zusätzlich erschwert, wächst in Gesellschaft und Wirtschaft das Bewusstsein für ihre Bedeutung. Wenn wir die Biodiversität zugunsten kurzfristiger wirtschaftlicher Gewinne, aber auch aufgrund bewaffneter Konflikte weiter zerstören, untergraben wir damit langfristig die Grundlagen unserer Wirtschaft und unseres Wohlstands», sagt Gabriela Schaepman-Strub.

Zentrale Rolle der Wissenschaft

Die Biodiversitätswissenschaft spielt dabei eine Schlüsselrolle: Sie liefert die Daten und Methoden, um wirksame und gesellschaftlich akzeptierte Massnahmen zu entwickeln – und prüft unabhängig, ob diese tatsächlich zur Erholung der Biodiversität beitragen. «Wir müssen sichtbar machen, welchen Nutzen Investitionen aus Wirtschaft und Politik für die Biodiversität haben, und wie sie die Risiken des Biodiversitätsverlusts mindern». Auch das WBF2026 widmet einen grossen Teil seines Programms diesem Themengebiet – konkret der Konsolidierung der Methoden, wie Biodiversität gemessen werden kann, sowie der Standardisierung der daraus abgeleiteten Biodiversitätsindikatoren. «Damit überall auf der Welt vergleichbar gemessen wird», so Schaepman-Strub.