Mahlzeit!
Die Tischlein sind heute reich gedeckt – zumindest in den westlichen Konsumgesellschaften. Doch das ist nicht nur gut. Denn eigentlich ist unser Körper nicht gemacht für die Überfülle und viele der modern produzierten Lebensmittel, die feilgeboten werden. Deshalb kann er aus dem Gleichgewicht geraten. Wissenschaftler:innen an der UZH beschäftigen sich intensiv mit unserer Ernährung. Dabei erforschen sie einerseits, was uns guttut, andererseits zeigen sie auf, welche gesundheitlichen Folgen falsche Ernährung haben kann. Und sie entwickeln Strategien und Therapien, die uns helfen, unsere Ernährung im Lot zu halten oder wieder ins Lot zu bringen. Zu welchen Erkenntnissen sie dabei gelangen, thematisiert das Dossier im neuen UZH Magazin «Mahlzeit! Wie wir uns gut ernähren».
Steinzeit und moderne Ernährung
Ein grundsätzliches Problem ist, dass unsere biologische Ausstattung noch im Neolithikum steckt, während sich das Nahrungsangebot rasant entwickelt hat. Das gilt insbesondere für industriell hergestellte Lebensmittel, die gesättigt sind mit hochkonzentrierten Nährstoffen wie Kohlenhydraten, Fetten und Zucker und die gleichzeitig oft wenig Vitamine und Ballaststoffe enthalten. Das ist ein Grund, weshalb die Menschen weltweit immer dicker werden. «Unser Körper ist darauf programmiert, nicht zu verhungern», sagt der Veterinärphysiologe und One-Health-Forscher Thomas Lutz, «für ein Leben im Nahrungsmittelüberfluss ist er nicht gemacht.» Thomas Lutz untersucht, wie falsche Ernährung unser Hormonsystem durcheinanderbringt, mit schwerwiegenden Folgen wie Fettleibigkeit und Diabetes. Und er hat die Grundlagen für eine neue Abnehmspritze erforscht, die auf dem Hormon Amylin basiert. Das Hormon reduziert unter anderem das Hungergefühl und verlangsamt die Entleerung des Magens.
Erfolgreich fasten
Eine Möglichkeit, die Ernährung wieder an Bedingungen anzunähern, die besser zu unserer biologischen Ausstattung passen, ist das Fasten. Denn früher war Nahrung nicht immer verfügbar und der Tisch nicht immer reich gedeckt. Heute beliebt ist das Intervallfasten, bei dem während einer gewissen Zeit des Tages nicht gegessen wird. Besonders wirkungsvoll ist es, abwechslungsweise ganze Tage wenig oder nichts zu sich zu nehmen. Das zeigen Studien des Adipositas-Forschers Philipp Gerber. Fasten hat aber auch eine spirituelle Dimension. Für den Theologen Ralph Kunz ist es ein Moment des Innehaltens, eine leiblich erfahrbare Unterbrechung des Gewohnten, die Raum schafft für Demut und Aufmerksamkeit.
Essen wie in den 1970ern
Was wir essen, hat viel mit Gewohnheiten zu tun. Diese sind kulturell geprägt. Und sie sind nicht immer vorteilhaft. So essen wir zu viel Fleisch und Wurstwaren, schlechte Kohlenhydrate und Zucker, obwohl wir es eigentlich besser wüssten. Die Essgewohnheiten vieler Schweizer:innen entsprechen noch den gleichen Mustern wie in den 1970er- und 1980er-Jahren, stellt Ernährungswissenschaftlerin Sabine Rohrmann fest, obwohl es immer beliebter wird, vegetarisch oder vegan zu essen.
Essgewohnheiten zu ändern, ist schwierig, aber nicht unmöglich, wie der Psychologe Sebastian Bürgler weiss. Er nennt drei Strategien: auf den Hamburger verzichten; eine gesunde Alternative – Apfel statt Schoggistängel – snacken; oder Umstände schaffen, die uns gar nicht erst in Versuchung bringen. Wie die Forschung zeigt, besteht die Kunst des gesunden Essens darin, die richtige Balance zu finden und bewusst zu essen. Die richtige Balance bedeutet, sich ausgewogen und vielseitig zu ernähren. Alles Einseitige sei suspekt, sagt Sabine Rohrmann. Bewusst zu essen, heisst, zu wissen, welche Nahrungsmittel uns guttun und welche nicht, und zu merken, wenn wir genug haben, sagt Evolutionsmedizinerin Nicole Bender.
Weitere Themen im neuen UZH Magazin: Reise zum Urknall: Physiker Ben Kilminster baut Detektoren, mit denen sich im Teilchenbeschleuniger am CERN die Bedingungen kurz nach dem Urknall untersuchen lassen. – FutureU: ein Positionspapier des UZH Digital Strategy Boards setzt sich mit der digitalen Zukunft der Universität auseinander.