Header

Suche
Biodiversität

Umwelt-DNA macht globale Veränderungen der Fischvielfalt sichtbar

Eine weltweite Analyse der Artenvielfalt von Fischen zeigt anhand von Umwelt-DNA (eDNA), wie Mensch und Klima die Biodiversität in Flussökosystemen beeinflussen. Während in warmen Klimazonen die Artenvielfalt in grossen Flusseinzugsgebieten ausgeprägter zunimmt, schwächen menschliche Aktivitäten diesen Zusammenhang ab. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Universität Zürich, der Eawag und der Yunnan-Universität.
Fischer am Shaying-Fluss in China. Das Verständnis von Vielfalt und Zusammensetzung von Fischgemeinschaften sowie der menschlichen Einflüsse darauf ist nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht wichtig, sondern auch wirtschaftlich und kulturell relevant, da Fische und Fischerei in vielen Flusssystemen ökonomisch wichtig sind. (Bild: Florian Altermatt, UZH/Eawag)

Die Biodiversität ist weltweit bedroht: Arten gehen zurück und die Zusammensetzung von Lebensgemeinschaften verändert sich. Um wirksame Umweltpolitik und nachhaltige Schutzmassnahmen zu entwickeln, braucht es verlässliche Daten über den Zustand und die Veränderungen biologischer Vielfalt. Diese fehlen jedoch häufig – insbesondere in abgelegenen, aber artenreichen Regionen wie den Tropen. Zudem verlaufen die Veränderungen vieler Ökosysteme inzwischen schneller, als mit herkömmlichen Methoden erfasst werden kann.

Umwelt-DNA aus 113 Flusssystemen weltweit

Eine Studie liefert nun eine umfassende globale Analyse der Fischbiodiversität in Flüssen. Sie zeigt, wie das lokale Klima und menschliche Aktivitäten die Biodiversitätsmuster in Flussökosystemen prägen. Grundlage dafür ist das Umwelt-DNA-Monitoring, ein neuartiger Ansatz zur Erfassung biologischer Vielfalt. Dabei werden DNA-Spuren aus Wasserproben analysiert, um nachzuweisen, welche Arten in einem Gewässer vorkommen. In einer globalen Zusammenarbeit integrierten die Wissenschaftler eDNA-Daten von fast 2000 Probestellen in 113 Flusssystemen auf fünf Kontinenten.

Die Fischvielfalt wird traditionell mittels Netz- oder Elektrofischerei ermittelt. Hier zeigt eine im Fluss Shaying in China entnommene Fischprobe die lokale Artenvielfalt. Am selben Standort wurden auch eDNA-Proben entnommen. (Bild: Florian Altermatt, UZH/Eawag)

«Um biologische Vielfalt zu schützen, braucht es genügend Daten über ihren Zustand und ihre Veränderungen. Unsere Forschung zeigt, wie technologische Fortschritte das Verständnis von Biodiversität in verschiedenen Dimensionen verbessern kann», sagt Erstautorin Yan Zhang, Postdoktorandin an der Yunnan University (China).

Klima und Menschen prägen die Biodiversitätsmuster

Die Studie identifiziert globale Muster in der Artenvielfalt von Flussfischen: In wärmeren Regionen war die Zunahme der Artenvielfalt mit zunehmender Grösse des Flusseinzugsgebiets ausgeprägter. Dies unterstreicht den Einfluss des lokalen Klimas auf die Biodiversität. In Gebieten mit höherer menschlicher Aktivität wurde dieser positive Zusammenhang jedoch abgeschwächt. «Wir haben festgestellt, dass die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten regional variieren und daher angepasste Schutzmassnahmen erfordern», sagt Studienleiter Florian Altermatt, Professor für Gewässerökologie an der UZH und der Eawag.

Die Erfassung der Fischvielfalt ist in grossen bis sehr grossen Flüssen wie dem Jangtse in China besonders schwierig, da dort das Elektrofischen oder der Einsatz von Kiemennetzen nur bedingt möglich ist. In solchen Gewässern kann eDNA eine besonders leistungsfähige Methode sein. Auf dem Foto wird eine Wasserprobe aus einer Tiefe von 30 Metern in der Wassersäule für die anschliessende eDNA-Analyse entnommen. (Bild: Florian Altermatt, UZH/Eawag)

Nicht nur der Artenreichtum, sondern auch andere Biodiversitätskennzahlen wie die funktionelle oder genetische Diversität reagieren in grösseren Einzugsgebieten stärker auf menschliche Einflüsse. Besonders stark betroffen war etwa die phylogenetische Diversität, die die evolutionären Beziehungen zwischen Arten beschreibt. Diese Veränderungen zeigten sich vor allem in kleineren Flusseinzugsgebieten. «Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Reaktionen der Biodiversität auf Umweltgradienten und menschliche Einflüsse komplex sind und je nach betrachtetem Aspekt der Biodiversität, unterschiedlich ausfallen», so Yan Zhang.

eDNA ermöglicht eine schnelle und grossflächige Biodiversitätsüberwachung

Die Studie verdeutlicht das Potenzial von eDNA als Instrument für eine schnelle, grossflächige Überwachung von Biodiversität. Im Gegensatz zu klassischen Methoden wie Kiemennetzen oder Elektrofischerei müssen dabei keine Fische gefangen werden. Stattdessen wird DNA aus Wasserproben extrahiert und sequenziert, um artspezifische genetische Signaturen zu identifizieren. So lässt sich feststellen, welche Arten in einem Gewässer vorkommen. «Die Biodiversitätsforschung entwickelt sich zu einer Datenwissenschaft, in der die Integration grosser Datenmengen neue Erkenntnisse ermöglicht – auch für die globale Biodiversitätspolitik», sagt Florian Altermatt.

Indem eDNA Veränderungen in der biologischen Vielfalt frühzeitig sichtbar macht, kann die Methode zur Entwicklung wirksamer Schutzstrategien für Ökosysteme beitragen. Sie unterstützt zudem internationale Biodiversitätsziele wie jene des Globalen Rahmenwerks für die biologische Vielfalt. «Unsere Forschung erweitert nicht nur das wissenschaftliche Verständnis, sondern liefert politischen Entscheidungsträger:innen auch wichtige Grundlagen für den Schutz von Süsswasserökosystemen», fasst Altermatt zusammen.

Literatur
Yan Zhang, Heng Zhang, ...,  Xiaowei Zhang, Florian Altermatt. A unified analysis of global riverine eDNA reveals common associations of fish biodiversity with drainage characteristics. Nature Ecology & Evolution. June 2026. DOI: https://doi.org/10.1038/s41559-026-03106-1

Weiterführende Informationen

Bilder-Download

  • Fischer am Shaying-Fluss in China

    (JPG, 7.00 MB)

    Fischer am Shaying-Fluss in China. Das Verständnis von Vielfalt und Zusammensetzung von Fischgemeinschaften sowie der menschlichen Einflüsse darauf ist nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht wichtig, sondern auch wirtschaftlich und kulturell relevant, da Fische und Fischerei in vielen Flusssystemen ökonomisch wichtig sind. (Bild: Florian Altermatt, UZH/Eawag)

  • Entnahme einer Wasserprobe aus dem Chriesbach, Schweiz

    (JPG, 8.66 MB)

    Aus dem Chriesbach in der Schweiz wird eine Wasserprobe entnommen, um anschliessend deren Umwelt-DNA (eDNA) zu analysieren. (Bild: Florian Altermatt, UZH/Eawag)

  • Beschriften einer eDNA-Probe

    (JPG, 7.92 MB)

    eDNA wird gewonnen, indem Wasser aus einem Fluss gefiltert und anschliessend extrahiert und analysiert wird. Hier werden während einer Feldkampagne in China Notizen zu einem Filter mit eDNA-Proben gemacht. (Bild: Florian Altermatt, UZH/Eawag)

  • Fischprobe zur Bestimmung der lokalen Artenvielfalt

    (JPG, 7.99 MB)

    Die Fischvielfalt wird traditionell mittels Netz- oder Elektrofischerei ermittelt. Hier zeigt eine im Fluss Shaying in China entnommene Fischprobe die lokale Artenvielfalt. Am selben Standort wurden auch eDNA-Proben entnommen. (Bild: Florian Altermatt, UZH/Eawag)

  • Entnahme einer Wasserprobe aus einer Tiefe von 30 Metern

    (JPG, 8.58 MB)

    Die Erfassung der Fischvielfalt ist in grossen bis sehr grossen Flüssen wie dem Jangtse in China besonders schwierig, da dort das Elektrofischen oder der Einsatz von Kiemennetzen nur bedingt möglich ist. In solchen Gewässern kann eDNA eine besonders leistungsfähige Methode sein. Auf dem Foto wird eine Wasserprobe aus einer Tiefe von 30 Metern in der Wassersäule für die anschließende eDNA-Analyse entnommen. (Bild: Florian Altermatt, UZH/Eawag)